Foul der Mitgliedsstaaten: Immer weniger Frauen im Europäischen Rechnungshof

Vana: “StaatschefInnen zeigen Gleichstellung von Frauen die Rote Karte”

Straßburg – „Frauen werden in den Spitzenpositionen des Europäischen Rechnungshofs zu einer wahren Rarität. Bei der aktuell anstehenden Neubesetzung von drei Rechnungshofs-Mitgliedern wird wohl wieder keine Frau zum Zug kommen. So wie es aussieht, könnten bis Jahresende nur noch drei von 28 Rechnungshof-Mitgliedern Frauen sein. Das erfüllt nicht nur mit Sorge, sondern ist ein handfester Skandal“, kritisiert Monika Vana, Mitglied im Frauenausschuss des Europäischen Parlaments.

Mitglieder des Europäischen Rechnungshofs werden von den jeweiligen Mitgliedstaaten nominiert. Die Ernennung erfolgt durch den Rat der EU. Eine Zustimmung des Europaparlaments ist nicht erforderlich, es hat nur eine beratende Rolle. Vana: „Die Mitgliedstaaten der EU gehen mit dem schlechtest denkbaren Beispiel voran. Bei diesen Voraussetzungen ist es noch ein sehr langer Weg, bis in Spitzenpositionen endlich eine Besserung gegenüber dem Status Quo erreicht werden kann. Nur weil eine Institution nicht im Licht der Öffentlichkeit steht, bedeutet das noch lange nicht, dass klammheimlich alle Prinzipien der Gleichstellung über Bord geworfen werden können.“

„Es kann nicht sein, dass bei allen derzeit anstehenden Neubesetzungen zum Rechnungshof keine Frau gefunden wird, die dem Anforderungsprofil nicht mindestens genauso entspricht, wie die männlichen Kandidaten. Ich fordere deshalb von den europäischen Staats- und RegierungschefInnen ein klares Bekenntnis zur Gleichstellung von Frauen, indem bei künftigen Neubesetzungen im Europäischen Rechnungshof Frauen ernannt werden, bis eine vernünftige Gender-Balance erreicht ist. Das Prozedere der Ernennung von Mitgliedern des Rechnungshofes sollte dahingehend abgeändert werden, dass jeder Mitgliedstaat einen Mann und eine Frau nominieren muss“, betont Vana.