Vana/Dziedzic: Stärkung beider Elternteile durch Rechtsanspruch

Grüne: Aktuelle Debatte nutzen, Papa-Monat ermöglichen

„Gesellschaftliche Veränderung sieht anders aus: Neunzig Prozent der Väter in der EU gehen nicht in Karenz. Die Arbeitsbelastung ist immer noch ungleich verteilt zum Nachteil von Frauen, mit allen negativen arbeitsmarktpolitischen Konsequenzen. Wir Grüne fordern seit langem bessere gesetzliche Grundlagen für Väterkarenz und „Papa–Monat“, in Österreich und als EU–Mindeststandard “ sagt Monika Vana, Vizepräsidentin und Sozial- und Frauenpolitische Sprecherin der Grünen im Europaparlament.

Derzeit ist auf EU–Ebene das Work Life Balance Package zwischen Rat und Europaparlament in Verhandlung, das auch EU–Mindeststandards für Väterkarenz und „Papa–Monat“ (Rechtsanspruch auf 10 Tage) regeln soll. Der Legislativvorschlag konzentriert sich auf Maßnahmen zur Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern, der Unterrepräsentation von Frauen im Arbeitsleben und der besseren Vereinbarkeit von beruflicher und privater Verantwortung. Darüber hinaus sollen Männer in ihrer Rolle als Betreuer in der Familie gefördert werden. „Wir Europaabgeordnete fordern dafür 80 % des Bruttolohns. Am 14.12. hätte unter österreichischer Ratspräsidentschaft die letzte Trilogsitzung stattfinden sollen. Die Österreichische Bundesregierung hat es im Endspurt der Ratspräsidentschaft wieder einmal verpasst hier einen Kompromiss zu finden. Wir fordern die schnellstmögliche Wiederaufnahme der Verhandlungen, denn es braucht endlich eine europaweite gesetzliche Regelung“ fordert Vana.

“Vereinbarkeit und damit das ständige Balancieren zwischen Beruf und Familie, ist in Österreich auch 2018 ein großes Thema – hauptsächlich für Frauen. Die Vereinbarkeitsfrage wird nach wie vor zu sehr privatisiert”, sagt Ewa Dziedzic, Bundesrätin und Sprecherin der Grünen Frauen Österreich hinzu und weiter: “Obwohl Männer in Österreich seit 1990 die gesetzliche Möglichkeit zur Väterkarenz und seit 2004 als BeamtInnen auch einen Rechtsanspruch haben, hat sich nicht viel getan. Aktuell haben wir es mit einer verkürzten auf eine Person beschränkte Debatte, statt mit konkreten Maßnahmen zu tun” kritisiert die Bundesrätin. „Dass in Vorarlberg und im Burgenland nur zehn Prozent der Väter zu Hause bleiben, hat auch strukturelle Gründe: Hinzu kommen diverse Hürden für die Väterkarenz, wie fehlende Unterstützung in den Betrieben und unzureichende Kinderbetreuung der unter Dreijährigen – vor allem auf dem Land und in kleineren Städten – genauso wie starre Karrieremodelle”. Die kürzlich beschlossene Ausweitung der Arbeitszeit erschwere die Planung von Vereinbarkeit, ist sich Dziedzic sicher. Sie fordert von der Bundesregierung in Österreich einen Maßnahmenkatalog zu präsentieren, wie die Väterkarenz gefördert, Frauen und Männer in Österreich entlastet und mehr Zeit mit der Familie verbringen können. “Es wäre an der Zeit auch für die selbsternannte Familienpartei ÖVP im 21. Jahrhundert anzukommen. Auch die kleine Show des Vizekanzlers wird niemanden längerfristig entlasten” so die Bundesrätin, die Bewegung in der Sache einfordert.